Tarifarbeit

Deutlicher, lautstarker Protest vor dem Werktor der Glencore Magdeburg GmbH!

Glencore ist einer der weltgrößten Rohstoffproduzenten und Rohstoffhändler mit Bergwerken, Hüttenwerken, Raffinerien und Schiffen; vor dem Börsengang vor einigen Jahren das Sinnbild für „verschwiegene Geschäfte“. Hauptsitz des Konzerns mit ca. 60.000 Beschäftigten ist die britische Kanalinsel und Steueroase Jersey. Aus der Schweiz heraus wird der Konzern von Ivan Glasenberg und Alex Beard geführt, die durch ihre Geschäfte unermesslich reich geworden sind. Größter Einzelaktionär ist die Holding des Staates Katar, aber auch die Firma BlackRock unter Führung des CDU-Politikers Merz hält ein großes Aktienpaket.

Danny Müller, IG BCE

Protest Glencore

In Magdeburg produzieren die etwas über 100 Beschäftigten rund um die Uhr hauptsächlich Biodiesel sowie Glyzerin für die Pharmaindustrie. Dadurch wird der Hauptumsatz erwirtschaftet. Im Jahr 2018 wurde in Magdeburg erstmalig mit Hilfe der IG BCE ein Betriebsrat gewählt. 

Die Tarifkommission fordert in der erstmaligen Tarifverhandlung die vollinhaltliche Anwendung der Flächentarifverträge Chemie Ost für die Beschäftigten, ggf. auch die Heranführung der Arbeitsbedingungen in Stufen. 

Nach ca. 7 Monaten Verhandlungszeit sind die Tarifverhandlungen bei Glencore Magdeburg durch die Geschäftsführung abgebrochen worden.  Die Geschäftsführung hält sich nicht an Verabredungen, sagt Verhandlungstermine ohne Begründung ab und lässt nur noch über verschiedene Rechtsanwaltskanzleien kommunizieren.

Als letzte Eskalation wurde, trotz klarer rechtlicher Einschränkungen im BetrVG (Tarifvorbehalt) sogar der Betriebsrat zu Entgeltverhandlungen gebeten, um die IG BCE zu verdrängen. Des Weiteren droht die Geschäftsführung den Beschäftigten und dem Betriebsrat mit dem Verlust ihrer Arbeitsplätze, sollten Sie Ihr Recht in Anspruch nehmen und an Protestkundgebungen und Arbeitskämpfen teilnehmen.  Weiterhin erklärt die Geschäftsführung, sie müsse (nach 7 Monaten Verhandlungszeit) prüfen ob die IG BCE die tarifzuständige Gewerkschaft wäre, da die in der Biodieselproduktion anfallenden Reststoffe in die Futtermittelindustrie verkauft werden. Die von der Geschäftsführung dabei ins Spiel gebrachte Gewerkschaft NGG hat zwischenzeitlich eine Zuständigkeit abgelehnt. Der Betriebsrat hat in einem offenen Brief an die Geschäftsführung Verhandlungen auf Grund der rechtlichen Regelungen abgelehnt und die Geschäftsführung aufgefordert, zum Wohle des Betriebsfriedens umgehend die Verhandlungen mit der IG BCE wiederaufzunehmen.

Danny Müller, IG BCE

Protestaktion Glencore

In seinen Unternehmensleitlinien sagt der Glencore-Konzern zu, die Menschenrechte, die Gewerkschaftsrechte, die Rechte der Beschäftigten und ihrer Vertretungen zu respektieren: »Wir sind uns bewusst, dass sich unsere Tätigkeiten auf unsere Gesellschaft und die Umwelt auswirken können. Wir nehmen unsere Leistungen in den Bereichen Umweltschutz, Menschenrechte und Arbeitsschutz sehr ernst. Wir respektieren die Rechte unserer Mitarbeiter und Auftragnehmer, einschließlich der Versammlungsfreiheit und Tarifvereinbarungen.« Die Realität in Magdeburg sieht leider genau gegenteilig aus! Oder weiß die Konzernleitung vielleicht gar nicht, was das örtliche Management hier treibt?

Um nun Bewegung in die festgefahrene Tarifrunde zu bringen und den Arbeitgeber wieder an den Verhandlungstisch zu bringen, haben am Dienstag d.25.06.2019 ca. 70 Beschäftigte ihre Mittagspause geopfert und bei brütender Hitze ihrem Unmut lautstark mit Trillerpfeifen und Trommeln vorm Werktor kundgetan. 

Matthias Stickl (Betriebsratsvorsitzender und Tarifkommissionsmitglied): "Die Kolleginnen und Kollegen leisten jeden Tag hervorragende Arbeit. Ständig werden neue Produktionsrekorde aufgestellt. Das Mindeste dass die Kollegen erwarten, ist eine vernünftige Vergütung ihrer Arbeit auf Basis einer rechtswirksamen Vereinbarung, sprich einen Tarifvertrag mit der IG BCE."

Sollte die Geschäftsführung nach dem deutlichen Signal der Belegschaft nun nicht wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren und die abgebrochenen Verhandlungen wieder aufnehmen droht eine harte Tarifauseinandersetzung bis hin zu möglichen Arbeitskampfmaßnahmen.   

Nach oben