Tarifarbeit

Tarifverhandlung f I glass GmbH Osterweddingen - Druck der Beschäftigten hat Wirkung gezeigt!

Nach der öffentlichen Protestkundgebung vom 04.04.2019 mit über 200 Beteiligten, lenkte die Geschäftsführung der f I glass GmbH in der Tarifverhandlung am 11.04.2019 ein. Das Ziel, Verhandlungen über die vollinhaltliche Anwendung der Flächentarifverträge Glas Ost, in ihrer jeweils gültigen Fassung auch für die Beschäftigten bei f I glass zur Anwendung zu bringen ist nun machbar.

IG BCE, Danny Müller

Tarifaktion f-Glass

Der Arbeitgeber hat nun zu seiner Unterstützung Hilfe beim Bundesarbeitgeberverband Glas und Solar gesucht. Dieser soll bis zur Nächsten Verhandlung einen Vorschlag erarbeiten wie und in welchen Schritten das Verhandlungsziel erreicht werden kann.

IG BCE Verhandlungsführer Jan Melzer (Gewerkschaftssekretär Bezirk Halle-Magdeburg): "Wir sind in den Verhandlungen einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Nun können wir inhaltlich in die Verhandlungen starten, nachdem wir uns beim Ziel einig sind. Diese Augenhöhe zwischen den Tarifvertragsparteien war bisher nicht vorhanden und ist unbezahlbar. Das zeigt deutlich, es lohnt sich Mitglied der IG BCE zu sein und für gemeinsame Ziele zu streiten. Die starke Beteiligung bei der Protestkundgebung, die breite betriebliche, politische und öffentliche Unterstützung hat hier ihre Wirkung nicht verfehlt. Die gute Vernetzung und Solidarität der Arbeitnehmer der Glasindustrie im Bezirk Halle-Magdeburg hat ihr übriges getan. Noch sind wir nicht am Ziel, allerdings verhandeln wir nun in eine Richtung."

Die Beschäftigten sind nun zur nächsten Verhandlung am 10.05.2019 auf das konkrete Angebot des Unternehmens gespannt. Wir werden an dieser Stelle weiter berichten.

Bereits am 4. April berichteten wir:

Das ist Solidarität! Mehr als 60 Kollegen und Kolleginnen aus anderen Firmen (Euroglas und BA Glass) waren angereist, um am 4.4.2019 die rund 170 Beschäftigte der  Firma der f I glass in Osterweddingen bei ihrer Protest-Aktion zu unterstützen. Mit Spruchbändern und Trommeln wurde vor den Toren der Firma gemeinsam die Forderung nach einem gerechten und einheitlichen Flächentarifvertrag für die Glasindustrie Ost lautstark untermauert, was bis in die Räume der Geschäftsführung zu hören war.

Der Bezirk Halle-Mageburg hatte zu dieser Aktion aufgerufen, um im Kampf nach einer Bezahlung nach Tarif und bisher zwei gescheiterten Verhandlungsrunden den Druck zu erhöhen.

Pressesprecherin IG BCE Nordost Karin Aigner bezeichnete die Stimmung als „sehr gut und kämpferisch. Jetzt darf man gespannt sein, was die 3. Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt am 11. April 2019 bringt. Die Geschäftsführung hat dann die Chance die im Fernsehen getätigte Stellungnahme: „Wir arbeiten permanent daran ein attraktiver Arbeitgeber für alle Mitarbeiter zu sein“ in die Tat umzusetzen.“ Verhandlunsgführer und Gewerkschaftssekretär Jan Melzer: „Diese Aktion war die gelbe Karte. Die rote Karte folgt, wenn auch die nächste Verhandlung ohne Einigung ausgeht. Dann könnten Warnstreiks folgen.“

Die Protest-Aktion wurden von engagierten Reden unterstützt. „Die Unterwanderung der Flächentarifverträge in der Sachsen-Anhaltinischen Glasindustrie muss ein Ende haben," meint Sylke Teichfuß, IG BCE Bezirksleiterin Halle-Magdeburg. Auch Stefan Krull (Die Linke, Landtag Sachsen-Anhalt) bekräftigt: „Gleiches Geld für gleiche Arbeit in einer Branche ist ein Muss!“ Gero Spohn (Betriebsratsvorsitzender f l glass und Mitglied der tarifkommission) zeigt sich kämpferisch: „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht. Wir haben zehn Jahre keinen Tarif gehabt – das wollen und müssen wir jetzt ändern!“

Ein Großteil der 220 Mitarbeiter des Werkes in Osterweddingen fordert die tarifgemäße arbeitgeberfinanzierte Altersvorsorge, eine Durchfahrzulage im Schichtbetrieb, mehr Urlaubstage und eine Jahresleistung. Außerdem müsse die Eingruppierung schleunigst transparenter werden. Mit einem Umsatz von über 300 Millionen Euro und einem Gewinn von fast 90 Millionen Euro der Muttergesellschaft gibt es keinen Grund, die berechtigten Forderungen der Beschäftigten nicht zu erfüllen.

Auch die SPD-Landtagsfraktion unterstützt den Kampf um einen Flächentarifvertrag und höhere Einkommen ausdrücklich: Gute und faire Arbeit muss sich endlich in allen Unternehmen unseres Landes durchsetzen. Sich Flächentarifverträgen zu verweigern, ist nicht mehr zeitgemäß. Gute Löhne und Gehälter statt Dumpinglöhne sind nicht nur für eine lebenswerte Zukunft von ganzen Familien wichtig, sondern sorgen zugleich für mehr Kaufkraft und sichern auskömmliche Renten.

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