Steuererklärung 2016

Zusatzgeld für die Urlaubskasse

Bei vielen Arbeitnehmern ist wohl eines der nächsten Wochenenden für die Steuererklärung reserviert. Freude kommt da meist nicht auf. Doch wer Bescheid weiß, kann einiges erstattet bekommen. Knapp 900 Euro im Schnitt. Schön, wenn das Geld noch vor dem Urlaub kommt.

Sarah Ahrens/purplequeue

Wer bei der Steuererklärung richtig aufpasst, kann mit ordentlich Geld rechnen. Wer bei der Steuererklärung richtig aufpasst, kann mit ordentlich Geld rechnen.
29.03.2017
  • Von: Rolf Winkel
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Für die meisten Arbeitnehmer ist eine Steuererklärung Pflicht. Dies gilt beispielsweise für Ehepaare, die sich für die Steuerklassenkombination III/V entschieden haben. Diese Paare müssen unter Umständen sogar einige Euro Steuer nachzahlen. Bei Paaren mit der Kombination IV/IV kann das in der Regel nicht passieren. Deshalb ist eine Steuererklärung für sie meist kein Muss. Doch oft lohnt sich für sie die Mühe. Denn sie können vielfach mit einer Steuererstattung rechnen. 

Abgabetermine beachten

Eigentlich muss die Steuererklärung für 2016 bis zum 31. Mai 2017 eingereicht werden. Doch wer sich von einem Lohnsteuerhilfeverein oder einem Steuerberater helfen lässt, kann sich bis Ende 2017 Zeit lassen.

[Wichtig: Wer nicht zur Steuererklärung verpflichtet ist, sondern die Formulare freiwillig ausfüllt, kann das auch bis zu vier Jahre später noch nachholen. Das bedeutet auch: Wer für 2013 keine Steuererklärung abgegeben hat, und nun feststellt, dass sich die Mühe lohnen würde, kann das bis Ende dieses Jahres noch nachholen.]

Fehler vermeiden

Wer Steuern sparen will, muss Belege über seine Ausgaben sammeln und einige Fehler vermeiden. "Ärgerlich ist vor allem, dass Handwerkerleistungen noch immer oft bar bezahlt werden", ärgert sich Gabriele Staub, die in der Kasseler Beratungsstelle des Lohnsteuerhilfeverein Fuldatal e. V. arbeitet. "Denn die Arbeitskosten kann ich ja geltend machen."

Doch ohne Überweisungsbeleg läuft nichts. Staub berichtet: "Neulich kam noch jemand, der seine Rechnung für die Heizungswartung bar gezahlt hatte. Er war stolz, dass er zwei Prozent Skonto bekommen hatte." Eine Milchmädchenrechnung: Das Finanzamt hätte sich mit 20 Prozent an den Kosten beteiligt, wenn das Geld überwiesen worden wäre.

Nach der Überweisung kommt das nächste Problem: Wie sieht die Handwerkerrechnung aus? Hier müssen nämlich die Lohnkosten ausgewiesen werden. Denn nur an diesen beteiligt sich das Finanzamt. Staub rät: "Das kann man noch nachträglich reparieren. Da reicht meist ein Anruf bei der Handwerksfirma und eine neue Rechnung wird ausgestellt."

Kinderbetreuungskosten

Aussagefähige Belege sind auch bei den Kinderbetreuungskosten wichtig. Denn auch diese können von der Steuer abgesetzt werden. Staub rät: "Am besten fragt man in der Kindertagesstätte nach einer Bescheinigung über die im letzten Jahr gezahlten Betreuungskosten." Zwei Drittel der Kosten für Kinder unter 14 Jahren können als Sonderausgaben bis zu einem Höchstbetrag von 4000 Euro im Jahr geltend gemacht werden.

Werbungskosten

Das akribische Sammeln von Belegen über Werbungskosten lohnt sich nur, wenn der Arbeitnehmerpauschbetrag von 1000 Euro überschritten wird. So viel erkennt das Finanzamt bei jedem Arbeitnehmer als beruflich bedingte Kosten an.

Ins Gewicht fallen dabei zunächst die Fahrtkosten und der Gewerkschaftsbeitrag. Wer neun Kilometer von seiner Arbeitsstelle entfernt wohnt, kommt bei anerkannten 30 Cent pro Entfernungskilometer schon auf 621 Euro Werbungskosten. Berücksichtigt sind dabei 230 Arbeitstage im Jahr. So viele erkennt das Finanzamt bei einer Fünf-Tage-Woche an.

Für ein IG-BCE-Mitglied mit einem durchschnittlichen Einkommen kommen noch 380 Euro Gewerkschaftsbeitrag hinzu. Damit ist die 1000-Euro-Grenze schon überschritten.

Pauschbeträge eintragen

Alles weitere ist "extrem berufsabhängig", so Gabriele Staub. "Da gibt es Berufe, die viel im Internet unterwegs sind, natürlich auch zu Hause." Bei diesen setzt die Kasseler Steuerfachangestellte dann bei der Steuererklärung einen monatlichen Pauschbetrag von 20 Euro an – sozusagen als beruflichen Anteil der Flatrate. Das wird anerkannt. Bei anderen Berufen kann ein Teil der häuslichen Telefonkosten abgesetzt werden. "Das geht bei Berufen, die einen Bereitschaftsdienst haben", so Staub. Beispielsweise für Servicetechniker und Feuerwehrmänner.

Wer keinen Grund hat, um beruflich besondere Kosten geltend zu machen, kann pauschal einen Betrag von 110 Euro im Jahr für Arbeitsmittel ansetzen. Dabei kann man dann zum Beispiel "Büromaterial, Werkzeug und Fachliteratur« notieren. Diese meist unbürokratisch anerkannte Pauschale ist ein Überbleibsel der längst abgeschafften früheren "Nichtbeanstandungsgrenze".

Gabriele Staub warnt jedoch: "Trägt man die 110 Euro nicht ein", so wird das auch nicht berücksichtigt. Denn das Finanzamt ist nicht verpflichtet, für seine "Kunden" vorteilhafte Lösungen zu wählen.

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